Durch die Einführung unseres Luftkanal-Teststands, soll auch wieder der Test von Lüftern forciert werden. Den Anfang machen die be quiet! Pure Wings 2 PWM, welche als reguläre und Highspeed Variante vorliegen. Die günstigsten Lüfter des Herstellers sollen sich besonders durch ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältis auszeichnen, aber auch grundsätzlich recht leise zu Werke gehen.
Die be quiet! Pure Wings 2 sind schon augenscheinlich die günstigsten Lüfter des Herstellers. Statt mit speziellem Montage-System werden sie direkt über den Rahmen befestigt. Die typischen "be quiet! Rillen" am Rotor sind aber auch hier vorzufinden. Dem Test zugrunde liegen die beiden PWM-Modelle, die beiden DC-Modelle sollen aber noch folgen. Der Unterschied liegt hier schlicht in der Art der Ansteuerung. Bevor es an Vergleich mit den anderen Modellen des Herstellers geht, soll der Pure Wings 2 erst einmal im Detail betrachtet werden.
Detailansicht
Den Status des günstigsten Lüfters des Herstellers macht man auch schnell am Lieferumfang aus, zumindest wenn man die anderen Modelle zum Vergleich vorliegen hat. So oder so, mehr als sehr einfache Lüfter-Schrauben findet man nicht vor. Einfach heißt hier, dass es sich um die Modelle mit kleinem Kopf handelt, welche auch gerne mal durch Montage-Schlitze "flutschen".
Unabhängig von der Betrachtungsrichtung, bietet der Pure Wings 2 (PWM) ein komplett schwarzes Erscheinungsbild. Wie angesprochen verzichtet der Rahmen auf ein besonders Montagesystem, aber auch vollständig auf Entkoppler. Das hinderte den Hersteller aber nicht, dass man die Lüfter auch bspw. auf der Silent Loop Wasserkühlung verbaute. Der Grund lag hier beim Preis-Leistungs-Verhältnis. Man wollte die Kühlung nicht "unnötig" teuer machen. Rein optisch unterscheidet sich die Highspeed-Version nur durch den rückseitigen Sticker. Rahmen und Rotor fallen identisch aus. Die neun Lüfterblätter weisen also jeweils die typische Oberfläche auf, welche Luftstromoptimiert sein soll.
Ansonsten lassen sich auch nicht weiter viele Worte über die Lüfter verlieren. Erwähnt sei noch, dass sie auf Rifle-Lager mit 80.000 Stunden Laufzeit zurückgreifen. Ist man eh schon bei den technischen Infos, sollen auch weitere Werte nicht verschwiegen werden. Die normale Variante dreht bis 1.500 U/min, die highspeed-Modelle bis 2.000 U/min. Der maximale statische Druck soll damit mit 2,23 mm H2O vs. 1,25 mm H2O zugunsten der schnelleren Lüfter ausfallen. Beim Geräuschpegel macht sich dies aber auch bemerkbar. Hier heißt es dann 20,dB vs. 36,9dB zugunsten der langsameren Lüfter.
Vergleich
Beim direkten Vergleich des Pure Wings 2 PWM mit dem Shadow Wings 2 PWM und Silent Wings 3 PWM kann man die angesprochenen Unterschiede sich nochmal vor Augen führen. Die Rahmen unterscheiden sich, wobei der Shadow Wings 2 ebenfalls einen einfach runden Rahmen verwendet. Unterschiede sind hier nur bei der Anbindung vorhanden, welche beim günstigeren Modell nicht entkoppelt stattfindet. Beim Silent Wings 3 PWM kann man zwischen zwei Vorrichtungen wechseln, zudem ist der Lufteinlass trichterförmig gearbeitet.
Weitere Unterschiede gibt es beim Rotor. Bei allen drei Modellen ist er mit Rillen versehen, allerdings unterscheiden sich die Rotorblätter in ihrer Anzahl, Form und Größe. Shadow Wings 2 und Silent Wings 3 sind sich hier am ähnlichsten, wobei die größeren "Schaufeln" des Premium-Lüfters für einen höheren Druck sorgen sollten. Der Pure Wings 2 stellt mit seinen kleineren, aber mehreren Lüfterblättern sozusagen einen Kompromiss aus Durchzug und Druck dar.
Test- und Messsystem
Um künftig auch valide Werte hinsichtlich der Leistungsfähigkeit eines Lüfters liefern zu können, haben selbst zum "Bastelmesser" gegriffen und einen Prüfstand kreiert. Dieser verfolgt insgesamt das Ziel, dass die bewegte Luft des Lüfters kanalisiert wird. Misst man dann die Geschwindigkeit der Luftsäule und kennt deren Durchmesser, lässt sich der Volumenstrom berechnen, welchen die Hersteller immer gerne angeben um die Leistungsfähigkeit ihrer Produkte anzugeben. Zunächst braucht es also eine Idee, was man als Kanal einsetzen kann. Dabei ist zu beachten, dass der Querschnitt nicht größer als notwendig gewählt wurde, denn laut dem Kontinuitätsgesetz ist die Strömungsgeschwindigkeit proportional abhängig vom Durchmesser. Da diese erfahrungsgemäß in geringeren Drehzahlregionen generell nicht hoch ausfällt, sollte man tunlichst vermeiden diese weiter zu verringern, will man das komplette Drehzahlband abdecken. Die komplette Vorstellung des Systems lässt sich auch hier nachlesen.
Bei der Wahl es Kanals ist man natürlich ebenfalls etwas Material gebunden. Über das Internet ließen sich bspw. Acryl-Rohre in verschiedenen Durchmessern ordern, allerdings fand sich im Baumarkt eine simplere Lösung. Genommen wurde kurzerhand ein Kanalgrundrohr DN 125, welches an der Muffe den idealen Durchmesser für 120mm Lüfter aufweist. Das Rohr verjüngt sich danach zwar etwas, das soll aber nicht weiter stören und auch der eigentliche Venturi-Effekt hierdurch soll vernachlässigt werden. Die Muffe wurde in der Nut durchsägt, wodurch eine gerade Kante zum Aufkleben der Trägerplatte ergeben hat. Für diese wurde zu 4mm dickem Acrylglas gegriffen, da sich dieses einfach verarbeiten ließ. Denn damit überhaupt Luft in das Rohr gelangen kann, braucht es natürlich eine Öffnung. Diese wurde an einen alten Alphacool-Lüfter angepasst, da dieser aus dem gesamten Sammelsorium an Lüftern die größte Austrittsöffnung zeigte. Alle anderen Lüfter können somit komplett frei in das Rohr pusten. Ergeben sich Öffnungen zur Front, werden diese abgeklebt. Bei den Corsair QL120 RGB war das bspw. der Fall, bei der Corsair HD120 RGB nicht. Befestigt werden die Lüfter mit Schrauben und Rändelmuttern.
Diese wurde an einen alten Alphacool-Lüfter angepasst, da dieser aus dem gesamten Sammelsorium an Lüftern die größte Austrittsöffnung zeigte. Alle anderen Lüfter können somit komplett frei in das Rohr pusten. Ergeben sich Öffnungen zur Front, werden diese abgeklebt. Bei den Corsair QL120 RGB war das bspw. der Fall, bei der Corsair HD120 RGB nicht. Befestigt werden die Lüfter mit Schrauben und Rändelmuttern.
Für den "Drucktest" wurde ein Radiator vorbereitet. Da kein 120mm Modell vorrätig war, das bei montiertem Lüfter komplett abgeschlossen ist, wurde ein älterer Koolance 480mm Wärmetauscher auf ein passendes Maß gebracht und neu abgedichtet. Bei diesem ist der Rahmen wie ein Shroud, es geht also keine Luft an ihm vorbei. Die komplette Vorstellung des Systems lässt sich auch hier nachlesen.
Leistung
Bei diesem Test wird der erzeugte Lufstrom der Lüfter in Abhängigkeit des eingestellten PWM-Signals gemessen. Im Grunde wird hierdurch nur das Leistungspotential der Lüfter demonstriert. Sie müssen sich dabei freiblasend und mit nachgeschaltetem Radiator beweisen, sodass man sich eventuell schon ein Urteil über ihren Einsatzzweck bilden kann.
Man erkennt deutlich, dass die Highspeed-Variante schon von Anfang an deutlich drehfreudiger bzw. stärker zu Werke geht. Den erhöhten Luftstrom kann man zumindest auf nichts anderes zurückführen, als auf die Drehzahl. Bis 50% holt der Pure Wings 2 PWM dann etwas auf, danach reißt es dann aber wieder minimal ab. Insgesamt verhält sich der Pure Wings 2 PWM highspeed ab diesem Schwellwert recht ähnlich zum Corsair HD120 RGB. Etwas erstaunlich ist, dass der Corsair QL120 RGB sogar etwas besser abschneidet als der einfache Pure Wings 2. Denn auch wenn man diesen Lüfter im Gegensatz zum LL120 etwas optimiert hat, handelt es sich noch eher um einen Design-Lüfter.
Auf einem Radiator zeigt sich ein recht ähnlches Bild. Am Anfang kann der Corsair HD120 RGB das Feld hier anführen, aufgrund der höheren Grundgeschwindigkeit. Ab 60% PWM stellt sich dann aber ein Gleichstand zum Pure Wings 2 PWM highspeed ein. Diesen gibt es zwischen dem Pure Wings 2 PWM und Corsair QL120 RGB erst ab 90% PWM. Zuvor muss sich der be quiet! Lüfter erneut geschlagen geben. Von einer Radiator-Optimierung ist auch nicht die Rede, dennoch interessant, dass man diesen Lüfter auf der Silent Loop eingesetzt hat. Die Leistung hat man dort einfach nur über die Drehzahl reingeholt, geht man vom Diagramm oben aus. Bei gleichem PWM-Signal ist der Corsair Lüfter nmämlich langsamer (1.750 U/min vs. 2.000 U/min).
Lautstärke
Die Lautstärke wird aus ~35cm Entfernung gemessen. Die Lüfter sind dabei nicht mehr am Tunnel befestigt, sondern freistehend an einer Schiene. Somit sollen eventuelle Resonanzen vom Kanal vermieden werden. Der erste Ablauf erfolgt komplett frei, der zweite Ablauf mit vorgeschaltetem Radiator, durch welchen dann sozusagen gemessen wird.
Der Pure Wings 2 PWM und Pure Wings 2 PWM Highspeed arbeiten, wenig überraschend, bei gleicher Drehzahl mit dem selben Geräuschpegel. Unterschiede gibt es nur durch das größere Drehzahlband des Highspeed-Modells. Bis ~1000 U/min schlagen sich die beiden be quiet! Lüfter dabei etwas schlechter als der Corsair QL120 RGB und HD120 RGB. Bei ~800 U/min beträgt der Abstand ~3dBA. Danach wird der HD120 RGB überholt, der QL120 RGB bleibt weiterhin leiser.
Mit vorgeschaltetem Radiator glätten sich die Kurven allesamt. Hier zeigt sich der QL120 RGB immer noch als leisestes Modell. Die beiden be quiet! Lüfter zeigen sich hier nun über das gesamte Drehzahlband leiser als der HD120 RGB. Die Unterschiede sind insgesamt gesehen, aber nicht sehr groß.
Lautstärke in Abhängigkeit der Leistung
Zuletzt wird die Lautstärke in Abnhängigkeit des Volumenstroms aufgetragen. Hiermit zeigt sich erst so richtig die Effektivität der Lüfter.
Hier muss man nun sagen, dass sich die be quiet! Pure Wings 2 PWM Lüfter nicht gegen den Corsair HD120 RGB und QL120 RGB behaupten können. Bei gleichem Luftstrom arbeiten die Corsair Lüfter immer geringfügig leiser. Am Ende wird der Unterschied zwischen HD120 RGB und Pure Wings 2 PWM Highspeed
Mit dem Einsatz des Radiators schwinden die Unterschied dann. Das kann damit begründet werden, dass die be quiet! Pure Wings 2 PWM nicht ganz so stark an Leistung verlieren bzw. den HD120 RGB überholen können was den Volumenstrom angeht. Bei ~47m³/h ziehen die be quiet! etwas an den Corsair vorbei, war die Reihenfolge vorher anders herum. Man kann also sagen, dass die be quiet! Pure Wings 2 PWM bei geringer Drehzahl auf einem Radiator weniger effektiv sind, als bei höherer Drehzahl bzw. steigt ihere Effizienz mit der Drehzahl.
Fazit
Die be quiet! Pure Wings 2 PWM werden vom Hersteller mit einem hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis angepriesen. Auf das eigene Lineup an Lüftern mag das auch zutreffen. Die beiden PWM-Varianten kosten ~8€ bzw. 9€, wohingegen der Shadow Wings 2 PWM in der selben Größe schon 13€ kostet. Allerdings kostet bspw. ein Arctic F12 PWM oder P12 PWM nur ~4€. Diese bieten dann sogar ein FDB-Lager statt des hier verwendeten Rifle-Lager. Es ist zwar die Rede von einer hohen Wertigkeit, aber mehr als ein etwas verbessertes Sleeve-Lager ist es einfach nicht. Fraglich ist auch, wie der Hersteller die Geräuschkulisse misst. Eine Dokumentation gibt es nicht, aber die angegebenen maximalen 18,2-20,2 dbA konnten nicht nachgestellt werden. Vor allem beim Highspeed-Modell ist der Wert nur schwer nachvollziehbar. Auf kurzer Distanz konnten maximal knapp über 50 dbA gemessen werden. Zur Erinnerung: 10 dbA mehr entspricht einer Verdopplung der Geräuschkulisse. Die 120mm Modelle sind bis 1000 U/min aus subjektiver Sicht dennoch als leise einzustufen. Bei den 140mm Modellen sind 800 U/min auch noch sehr leise.
Der Anfang mag jetzt erstmal sehr negativ klingen, das liegt aber auch noch daran, dass es noch keine anderen günstigen Lüfter in den Vergleich geschafft haben. Zum Beispiel die genannten Arctic Lüfter wären hier interessant. Das kann sich ja aber auch noch ergeben. Fasst man die Leistung der be quiet! Pure Wings 2 PWM zusammen, kann man schon sagen, dass der Effizienz-Abstand zu den bisher getesteten Corsair QL120 RGB und HD120 RGB nicht all zu groß ist. Vorallem frei arbeitend, aber messbar. Diese kosten aber auch deutlich mehr. So gesehen, passt Preis-Leistung dann hier auch wieder. Regelt man die Lüfter ein, erhält man mit den Pure Wings 2 PWM schon eine ordentliche Option, sei es nun für das Gehäuse oder den Radiator. Weitere Tests werden schlussendlich die Leistungs-Einstufung weiter verfeinern.
be quiet! Pure Wings 2 PWM (Highspeed)