Das be quiet! Silent Base 802 will im eigenen Produktportfolio eine neue Ära einläuten. Als grundlegend überarbeitetes ATX-Gehäuse bietet es nun nicht nur ab Werk eine enorm hohe Flexibilität, sondern ist nun nach dem Pure Base DX das nächste Gehäuse, welches voll auf Airflow im Chassis setzt. Dies aber nicht direkt vorinstalliert, sondern kann bei Bedarf umgerüstet werden – die passenden Mittel dazu legt der Hersteller direkt mit bei. Wir waren auf die (Kühl)-Leistung gespannt.
Die Gehäuse-Serie selbst kann inzwischen schon auf eine recht lange „Ära“ zurückblicken, stellte das Grundkonzept bzw. der grundlegende Aufbau be quiets Einstieg in den Gehäusebereich dar (mit dem Silent Base 800). Im Laufe der Jahre folgten dann optische, funktionelle und thermischen Anpassungen sowie Verbesserungen (Silent Base 801) des Chassis-Aufbaus. Wie die meisten sicher mitbekommen haben, war in den letzten Monaten Airflow der Maßstab aller Bemessungsgrundlagen, so verwundert es nicht, dass man bei be quiet! auch diesen Weg eingeschlagen hat, nicht zuletzt auch schon mit dem Pure Base 500 DX. Um die kleine Geschichtsstunde mal zum Abschluss zu bringen, gehen wir mal zum neuesten Produkt über.
Dieses folgt inzwischen nur noch zwei optischen Vorgaben, entweder komplett Schwarz oder komplett Weiß. Farbliche Akzente gibt es nun auch nicht mehr. Auch wird man weiterhin auf Dämmelemente setzen die eine Dicke von knapp 10mm haben. Selbstredend wird es das Gehäuse auch als Window und non-Window-Ausführung geben. Weiterhin ist das Silent Base 802 invertierbar und kann beliebig umgebaut werden. Die größte Neuheit versteckt sich aber mehr oder minder beim Zubehör, denn dank mitgelieferter Austauschfront bzw. Top-Abdeckung, lässt sich das Gehäuse binnen Sekunden zu einem Airflow-Derivat verwandeln. Die UVP-Preise werden für beide Versionen mit 159 Euro für die non-Window-Ausführung und 169 Euro für die Window-Version angesetzt.
Das Gehäuse im Überblick | ||
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Mainboard-Format(e) | Mini-ITX, Micro-ATX, ATX, E-ATX (305 x 275mm) | |
Bezeichnung | be quiet! Silent Base 802 | |
Formfaktor | Midi-Tower | |
Preis-Gehäuse | 169 EUR (Window) - 159 EUR (non Window) | |
Hersteller-Homepage | www.bequiet.de | |
Sonstige Eckdaten | ||
Laufwerke | 3,5 Zoll - bis zu 7 (3 Schächte enthalten) 2,5 Zoll - bis zu 15 (7 Schächte enthaten) | |
Lüfter | Front: Heck: Top: | 4x 120mm / 3x 140mm (1x 140mm vorinstalliert) 1x 120mm / 140mm (1x 140mm vorinstalliert) 3x 120mm / 3x 140mm |
Radiator-Support | Front: Top: | 420mm, 360mm, 280mm, 240mm, 140mm, 120mm 360mm, 240mm, 120mm |
max. CPU-Kühler-Höhe | 185 mm | |
max. GPU-Länge | 432 mm / 287 mm (mit HDD Käfig) | |
max. Netzteil-Länge | 288 mm | |
Material-Gehäuse | Stahl, ABS-Plastik, Temperglas | |
Gewicht | ~13 kg | |
Maße | 453 x 230 x 466 mm (L x B x H) | |
Sonstiges | Tempered Glass Seitenteil (getönt) 2x USB 3.2 Gen. 1, 1x USB 3.2 (Type-C) 3-Stufen Lüftersteuerung | |
Farben | Schwarz / Weiß |
Bevor wir aber zur Detailansicht des neuesten Gehäuse-Sprösslings schreiten sollte nochmal kurz ein Blick auf das aktuelle Portfolio geworfen werden, welches in der Farbe Weiß erhältlich ist. Denn zurzeit sind dies mit dem be quiet! Pure Base 500, dem Pure Base 500 DX und dem Silent Base 802 gleich drei ATX-Gehäuse. Bei den drei genannten handelt es sich um die chronologisch aufgezählt, zuletzt vorgestellten Chassis des deutschen Unternehmens. Speziell das Pure Base DX wusste im Bereich der neu geschaffenen Airflow-Variante deutlich zu überzeugen. Mal sehen was das Silent Base 802 nun zu leisten vermag…
Impressionen Außen
Wer das Silent Base 801 kennt, der kennt vom äußerlichen auch die überarbeitete Version. Denn beim Silent Base 802 handelt es sich nicht jetzt nicht wirklich um eine grundlegende Neuentwicklung, sondern viel mehr um eine gesunde Evolution des Bekannten und Bewährten. Fangen wir mal beim Generellen an – eingangs wurden ja schon die unterschiedlichen Front- und Abdeckelemente angesprochen die erfreulicher Weise direkt mit im Lieferumfang enthalten sind. Die jeweiligen Konzepte sind einmal auf ein geschlossenes und einmal auf ein Airflow-Konzept ausgelegt. Jene Bauteile sind wirklich einfach zu wechseln und können entweder per Schiebemechanismus oder von der Magnethalterung entfernt werden. In jedem Fall geschieht dies binnen Sekunden und werkzeuglos. Auffallend ist auch das klare Design hinsichtlich der Farbgebung. Das SB802 bekommt künftig gänzlich ohne Farbapplikationen entweder in Schwarz oder wie abgebildet in Weiß. Dieser „Wandel“ steht dem Gehäuse.





Kommen wir nochmal kurz zu den Abdeckungen im Top-Bereich, diese sind wertig ausgeführt, offenbaren sehr gut austarierte Spaltmaße und sitzen perfekt mittels befestigter Magneten. Auch den Weg der Schallabsorption hat man hier konsequent fortgesetzt, jedenfalls am größeren der beiden Elemente. Das IO-Panel bietet jetzt auch weitere Neuheiten. So findet man einen vollwertigen USB 3.2. Gen 2 Anschluss (10 Gbit/s) mit Typ-C-Stecker. Die beiden Typ-A-Ports werden als USB 3.2 Gen. 1 (5 Gbit/s) klassifiziert. Damit ist man jetzt auch up to date in diesem Bereich. Auch finden wir wieder die 3-Stufen-Lüftersteuerung, die mittels kleiner extra Platine agiert und dort die Lüfter angeschlossen werden. Mehr dazu auf der nächsten Seite (…) Der beleuchtete Power-Button und die Klinkenstecker sowie Status-LEDs runden das Bild in diesem Bereich ab. Schauen wir einmal weiter direkt an Front. Wie schon angesprochen, liegt eine zweite auf Airflow optimierte Version dem Gehäuse direkt mit. Selbige lassen sich auch schon wie beim Vorgänger sehr einfach entfernen, austauschen oder für die Montage der Hardware einfach abnehmen. Die Staubschutzgitter (Front und Boden) sind weiterhin in der bekannten Ausführung vorhanden und lassen sich ebenfalls sehr bequem entnehmen bzw. reinigen.
Was man an dieser Stelle auch noch erwähnen sollte, dass die Kunststoffstrukturen hinter den Abdeckungen vereinfacht wurden und man dem Luftstrom dem Zugang zum Korpus vereinfachen wollte. Hinter der schwarzen Mesh-Abdeckung an den seitlichen Schlitzen sieht man das schon ganz gut. Die bewährte Entriegelung der Seitenteile ist unverändert geblieben. Mittels einfachen Knopfdrucks löst sich die Arretierung und man kann die Seitenteile wegklappen und herausnehmen. So einfach und funktional gelöst wie es nur geht – sehr gut!
Um mal bei den Seitenteilen zu bleiben – diese wurde in Bezug auf Haptik und Wertigkeit meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt. Sicherlich bekommt man kein poliertes Aluminium geboten, dafür aber sehr solide gefertigte Seitenteile die Qualitätsmäßig überzeugen. Bei der Glas-Ausführung ist eines der beiden mit einer dicken Schalldämmung beklebt, in der non-Window-Ausführung des Gehäuses sind es dann folgerichtig beide Seitenwände.
Den Stand hat das Gehäuse mittels beider eingesteckter Kunststofffüße (…) Etwas zur Farbgebung muss an dieser Stelle auch nochmal gesagt werden. Das Weiß sieht in Gänze sehr gut aus und vermutlich werden sich damit künftig schicke und interessante Systeme aufbauen lassen. Dass es schwer ist den exakten Farbton mit Kunststoff zu treffen ist sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Leider hat auch das Silent Base 802 unter diesem „Problem“ zu kämpfen, sodass man an verschiedene Bauteile leicht abweichende Farbunterschiede sieht. Wer Weiß als Farbgebung möchte, wird wohl oder übel mit diesem Makel leben (müssen) oder merkt ihn gar nicht.
Impressionen Innen
Kommen wir mal zum Inneren, welches im Grunde genau dem entspricht, was wir bereits vom Silent Base 801 her kennen und keinesfalls schlecht zu bewerten ist. Denn im Gegenteil, Platz ist mehr als genügend vorhanden um auch größte Komponenten verbauen zu können. Beim CPU-Kühler stehen insgesamt 185mm n der Höhe zur Verfügung und bei der Grafikkartenlänge dürfte auch ohne weiteres eine neue GeForce RTX 3090 (313mm) ins SB802 passen, da maximal 432mm Platz zur Verfügung stehen. Selbst mit verbautem HDD-Rahmen sind es immer noch 287mm. Erfreulich ist aber auch, dass sogar E-ATX-Mainboards unterkommen können.
Der komplette Innenraum ist weiterhin sehr aufgeräumt, klar strukturiert aufgebaut und bietet sehr viel Platz zur Entfaltung. Die farblichen Akzente hat man hier ebenfalls entfernt. Die Gummidurchführungen sind wohl noch dem ursprünglichen Tooling zuzusprechen. Die Kunststoffabdeckungen dienen in diesem Fall lediglich kosmetischer Natur. Nimmt man diese ab, lassen sich dort HDD-Rahmen montieren. Ein weiterer dafür liegt bei, wer mehr benötigt kann sich entsprechende nachbestellen.
Die PSU-Shroud ist weiterhin flexibel. So lassen sich nicht nur die Top-Abdeckungen einzeln abnehmen, sondern auch die an der Stirnseite. Das bringt vor allem Vorteile bei der Montage mit sich, sodass man dort besser rankommt, aber natürlich auch in der Praxis. So wird der Luftstrom kanalisiert und wie gewollt weitergeleitet. Darunter verbergen sich dann der HDD-Käfig und der Montageplatz für das Netzteil. Dies kann Übrigens bis zu 288mm lang sein – also genügend Platz in diesem Bereich.
Das Thema Kabelmanagement ist bei SB802 leider noch nicht so ausgefeilt wie bei den neueren Modellen Pure Base 500 und Pure Base 500 DX, was aber wie schon einmal geschrieben, dem eigentlichen Entwicklungstand des Chassis geschuldet ist. Hier gibt es bekanntes und keine Weiterentwicklungen. Be quiet! legt für die Montage bzw. die Kabel aber ausreichend Velco-Stripes mit bei, sodass in der Anzahl genug Fixierungen möglich sind. Generell hat man aber weiterhin viele kleine Schlitze zum Verlegen der Kabel und ist nicht an einen „Kanal“ gebunden. Mehr zu diesem Thema haben wir auf der nächsten Seite niedergeschrieben. Eine kleine Verteilerplatine ist letztlich für die zentrale Lüftersteuerung verantwortlich, sofern man dies dann möchte. Von dort aus führt eine dedizierte SATA-Stromversorgung weg, sowie ein PWM-Anschluss für das Mainboard. In unserem Test haben wir auf diese Funktion verzichtet und die Lüfter direkt am Mainboard angeschlossen und so wie immer, direkt über die Drehzahl im BIOS reguliert. Mehr dann im Praxisteil dieses Artikels.
Die 2,5 Zoll-Laufwerke können auf Halterplatten aufgeschraubt und dann anschließend werkzeuglos am Chassis befestigt werden. Ganz ohne Schraubendreher geht es bei 3,5 HDDs dann nicht von Statten, hier wird das Laufwerk direkt mit der Halterung verschrauben und jene dann am Gehäuserahmen mit Rändelschrauben fixiert. Wer mehr Platz benötigt kann diesen auch gänzlich weglassen, somit steht die gesamte untere Kammer dann frei zur Verwendung – beispielsweise von Wakü-Komponenten. Insgesamt überzeugt dieser Bereich aber gänzlich, auch wenn gefühlt schon ein wenig Staub an den Mechanismen hängt. Denn nerviges Erstlösen mit einem Schraubendreher konnte man hier nicht ausmachen. Mal subtil gesprochen ist es wie mit einem VW Golf, man steigt ein und weiß was einen erwartet.
Mit vorinstalliertem Dämmmaterial - am Seitenteil mit 10mm Stärke
Schön ist auch zu sehen, dass man die Frontöffnungen auf das Staubgitter abgestimmt hat. So sollen unnötigen Luftverwirbelungen (Geräusche, weniger Effizienz) vermieden werden. Im direkten Vergleich offenbaren sich zudem die Unterschiede der beiden mitgelieferten Fronten.
Die Lüftereinbauplätze sind ordentlich in der Anzahl vorhanden, insgesamt können bis zu sieben stück (egal ob 120 oder 140mm) verbaut werden. Gleiches Wechselspiel findet dann logischer Weise auch bei den Radiatoren bzw. All-in-One-Lösungen statt. Für die Montage eines Radiators gibt es im Top-Bereich wieder den bekannten Halterahmen der u.a. auch im Dark Base 900 und Dark Base 700 zu finden ist. Er kann herausmontiert und so alles extern vorbereitet werden. Auf der nächsten Seite gibt es mehr Details dazu.
Bei den drei vorinstallierten Lüftern handelt es sich um be quiet! Pure Wings 2 – 140mm Ausführungen, die mit einer Drehzahl von maximal 1000 Umdrehungen pro Minuten aufwarten können. Was diese Lüfter leisten können, haben wir bereits in einem ausführlichen Einzeltest schon mal vorgestellt.
Hardware-Einbau
Schaut man sich das fertig montierte Ergebnis an, fällt die Geradlinigkeit auf, welche das Gehäuse vermittelt. Im schwarzen Farbton gibt es dann nochmals mehr Understatement. Eine getönte Scheibe bekommt man nicht, dafür werden aber alle (hässlichen) Schlitze abgedeckt und eine cleane Optik erzeugt. Die Montage selbst lief ohne wirkliche Probleme und ganz einfach von Statten, wohl auch dem großen Platzangebot des Gehäuses sei Dank.
Leider hängt die MSI RX 5700 XT doch schon arg durch, was aber als Eigenart der Grafikkarte angesehen werden kann. Ansonsten kann man in Verbindung mit dem Gehäuse und dem fertig montierten System nicht viel sagen, außer das alles sehr clean, strukturiert und kompromisslos verbaut werden konnte und zusätzlich noch viel Platz für weitere Komponenten wäre.
Rückseitig stehen rund 30mm Platz zur Verfügung, so kann das Kabelbündel auch schon mal etwas dicker sein welches man fixieren möchte. Leider hat das Gehäuse noch kein dediziertes „Leitsystem“ was das Verlegen vereinfachen würde, kompensiert wird diese Umstand aber mit genügend Freiraum. Das verbaute Testsystem ließ sich in Summe betrachtet, sehr einfach unterbringen. Erwähnt werden sollte auch auf jeden Fall, dass man den Aufbau mit den mitgelieferten Mitteln ganz einfach invertieren und oder auf die andere Seite verbauen kann. Daher auch die abnehmbare Stirnseite der PSU-Shroud. Apropos, wie schon fast von be quiet! gewohnt, kann man das Netzteil an einem dedizierten Rahmen befestigen und dann von der Rückseite aus einschieben.
Die Montage im unten befindlichen HDD-Käfig hatte ich ja schon im Laufe des Artikels beschrieben. Dieser geht in Summe auch komfortabel von Statten und stellt keine Hürde dar. Schreiten wir weiter zur Wasserkühlungs-Kompatibilität (…)
Wasserkühlung-Kompatibilität
Wie schon vom Dark Base 900 und dem Dark Base 700 bekannt, greift die 800er Modellreihe auch auf den separaten Halterahmen zurück. Mit diesem kann man bequem seinen Wärmetauscher oder Lüfter außerhalb vom Gehäuse montieren und sich nervige Fummelei ersparen. Das Ganze wird dann ins Chassis eingeschoben und mit zwei Schrauben fixiert. Die Lüfter oder Radiatoren sind an keinem festen Platzierungsmuster gebunden und können auch noch verschoben werden.
Gerade wenn man im Top eine Aio betreiben möchte, bietet sich die neue Mesh-Abdeckung wunderbar dafür an und die Kühlung stirbt auch keinen Hitzetod. Grundlegen kann man aber sagen, dass das Silent Base 802 alle gängigen Radiatorgrößen (bis zu 420mm) unterstützt. Bei letzten muss aber darauf geachtet werden, dass man hier ein 25mm (Dicke) verbaut – und das geht auch nur in der Front. Wie von uns schematisch dargestellt, ist das gleichzeitige Unterbringen von zwei 360mm Wärmetauschern auch kein Problem. Ein wenig Hirnschmalz hinsichtlich des Kreislaufes wird es aber dennoch benötigen.
Testsystem vorgestellt
Unsere Gehäusetests werden nach einem standardisierten Prinzip durchgeführt. Wie wir testen kann wie gewohnt in unserem Gehäuse-Testsystem nachgelesen werden. Auf diese Art und Weise ist eine Vergleichsmöglichkeit aller Testberichte im Bereich von Gehäusen gegeben.
AMD Ryzen ATX-Gehäuse Setup | ![]() ![]() ![]() | |
Prozessor: | AMD Ryzen 7 2700X | |
Mainboard: | MSI MPG X570 Gaming Edge WiFi | |
Storage: | OCZ Vector 180 - 240GB | |
Kühlung: | be quiet Dark Rock 4 | |
RAM: | 2x8GB HyperX Fury RGB DDR4-3200 | |
Netzteil: | be quiet! Straigt Power 11 650W | |
Grafikkarte: | MSI Radeon RX 5700 XT Gaming X | |
Betriebssystem: | Windows 10 | |
Grafiktreiber: | Adrenalin 19.11.1 | |
Temperaturmessung
Um Bild der thermischen Fähigkeiten eines Gehäuses aufzuzeigen haben wir zwei Lastszenarien, oder besser gesagt zwei Betrachtungsweisen derer dokumentiert. Grundlegend wird für die Tests die Kombination aus Furmark (@ 1024 x 768px – non Fullscreen) + Prime95 „Custom“ (mit 8 Threads weitere Einstellung siehe Screenshot) gleichzeitig betrieben, was im Umkehrschluss einen sehr guten Mix aus Systemauslastung und Praxisnähe darstellt.
- Messung 1: Maximale Drehzahl
- Messung 2: 800 U/min (wird im Mainboard-BIOS eingestellt der Wert)
Dieser Prozess wird jetzt 20 Minuten lang betrieben. Einmal erfassen wir dabei den Averange-Wert (AVG) über die 20 Minuten, sowie in einem separaten Ablauf den Delta T Wert, also die Differenz des Messwertes und der Raumtemperatur. Nach Abschluss der Messverfahren werden die Werte aus AIDA 64 abgelesen. Als Maßeinheit wird logischer Weise auf Grad Celsius gesetzt. Natürlich ist das angewandte Verfahren nicht vor Messtoleranzen gefeit, was also Schwankungen im Bereich von 0,5 Grad Celsius bei den gemessenen Temperaturen möglich macht.
Lautstärkemessung
Gemessen wird mit einem Schallpegelmessgertät "PCE 318". Dieses sitzt festgeschraubt auf einem Stativ und erfasst die Lautstärke 50cm entfernt von der linken Gehäuseseite. Der von uns genutzte Messraum liegt unter 30 Dezibel Grundlautstärke und ist subjektiv beurteilt, mit absoluter Stille zu bezeichnen. Um eine Ausgangsbasis zu haben, wurden zu Beginn die Werte des offenen Aufbaus gemessen, also auf einem Benchtable. Diese folgen später mit in den ersten Berichten und bleiben dauerhaft in der Übersicht bestehen.
Overall-Rating
Das Overall-Rating ist eine Zusammenfassung aller Temperaturen und Messwerte. In der Summe ergibt sich daraus ein Leistungsindikator hinsichtlich der Kühlleistung eines jeden Gehäuses. Wir sind aktuell bemüht die Vergleichsbasis aufzufüllen, so dass alle ermittelten Werte auch in Relation zueinander stehen.
In der hiesigen Wertung platziert sich das Gehäuse auf Grund von der angepassten Lüfterdrehzahl überwiegend im Mittelfeld. Passt man jetzt aber die Umdrehungen der Lüfter an, in unserem Fall auf maximale Drehzahl, dann dreht sich der thermische Eindruck komplett und es werden Spitzenwerte erzielt. Obendrein muss auch gesagt werden, dass die Airflow-Anpassungen ebenfalls noch einige Grad aus dem Gehäuse herauskitzeln. Die Ziele wurden dank der neue bzw. optionalen Bauteile komplett erreicht.
Lautstärkemessung
Die Lautstärke wird aus 50cm Entfernung gemessen, wobei der Mittelpunkt des linken Seitenteils anvisiert wird. Zur Lautstärkemessung muss im Grunde genommen gar nichts mehr gesagt werden, die Werte sprechen absolute Bände und sorgen ein wenig für positives Erstaunen. Regelt man die Lüfter herunter und passt die weiteren Bestandteile des Systems an, ist dieses defakto nicht mehr hörbar. Wirklich klasse.
Das Thema der Lautstärke wird voll und ganz vom Firmennamen aufgegriffen, denn dieser ist hier Programm. Dreht man die Lüfter runter auf 800 Umdrehungen, was wie nachfolgend dokumentiert immer noch recht gute Temperaturen mit sich bringt, erhält man hier wirklich ein absolutes Silent-Gehäuse. Erstaunlicher Weise muss ja fast schon sagen, greifen auch die Schalloptimierungen sind im positiven Sinne messbar.
Temperaturmessung 800 U/min
Zugegeben ich hatte zu Beginn des Tests ein wenig die Befürchtung, dass die Temperaturwerte für die einzelnen Komponenten in den roten Grenzbereichen landen würden. Dies trat aber keinesfalls ein, selbst bei gedrosselter Lüfterdrehzahl bleibt alles im grünen Bereich und kann mitunter auch Bestwerte aufstellen. Eine sehr überraschende Wendung, bedenkt man zudem auch noch, dass weitere Lüfter für eine erhebliche Steigerung der Kühlleistung sorgen könnten.
Die Durchschnittswerte spiegeln das Beschriebene nochmals deutlicher wieder und zeigen auch hier ein erfreuliches Bild wenn es darum geht, die verbauten PC-Teile kühl und effizient zu betreiben.
Temperaturmessung max. U/min
Richtig interessant wird es hinsichtlich der Temperaturen aber dann, wenn man die Lüfter richtig Beine macht. Wie unsere Übersicht sehr gut widerspiegelt, bekommt man mit dem Silent Base 802 jetzt ein wahres Airflow-Monster an die Hand, was abgesehen vom CPU-Kühler in der modifizierten Ausführung massive Verbesserungen und Spitzenwerte mit sich bringt. Auffällig ist eben aber auch, dass die CPU-Werte so stark abfallen. Hier dürfte ein zusätzlicher Lüfter im Top für nochmals weitere Verbesserungen sorgen, wie wir es schon beim be quiet! Pure Base 500 DX festgestellt haben.
Fazit
Oftmals ist es so, dass ein Facelift nur Geldmacherei sein soll, so kennt man es ja überwiegend aus der Automobilbranche. Was man mit dem be quiet! Silent Base 802 gemacht hat ist dafür aber umso löblicher und widerspricht dieser Theorie, auch wenn das Produkt am Ende mehr kostet. Aber der Reihe nach (…) Der Hersteller hat sein eigenes bestehendes Projekt aufgegriffen und wirklich sinnvoll verbessert, gar deutlich an Flexibilität dem Ganzen hinzugefügt. Man kann sagen, dass hier im Karton wirklich „Spiel, Spaß und Spannung“ drinsteckt – oder besser gesagt zwei Gehäuse-Typen in einem.
Die flexiblen Front- bzw. Top-Abdeckungen haben sich im Praxistest als überaus sinnvoll und leicht zu handhaben erwiesen. Aber diese sind glücklicher Weise nicht nur kosmetischer Natur, nein auch gemessen ergeben sind stellenweise bis zu 7°C Temperaturunterschied (GPU, CPU) was als beachtlich eingestuft werden darf. Aber nicht nur in diesem Bereich wurden Anpassungen realisiert, auch kosmetischer Natur hat man ein wenig „aufgeräumt“. Farbakzente gibt es künftig bei dieser Modellreihe auch nicht mehr, sondern wirklich nur Weiß oder eben Schwarz, wer es ganz schlicht möchte. Ein wenig Kritik muss sich das Gehäuse bei den Farbabstimmungen einiger Kunststoffteile gefallen lassen, diese sich nicht perfekt aufeinander abgestimmt was herstellungsbedingt aber leider vorkommen kann. Bei der Schwarzen Ausführung hat man dies nicht.
In Summe bekommt der Anwender hier ein wirklich sehr gut verarbeitetes, durchdachtes und flexibles (übrigens auch wieder invertierbar) Gehäuse, dass in sinnvollen Nuancen deutlich verbessert wurde und diese Anpassungen auch messbar sind. Einziger Wehrmutstropfen dürfte aus Kundensicht der gestiegene Preis sein. Für die Window-Ausführung werden 169 Euro (UVP) und für die non-Window-Version 159 Euro (UVP) fällig. Erfahrungsgemäß kann man sagen, dass die Kurse am Markt noch ein wenig nachgeben werden. Für den Aufpreis bekommt man aber einen wirklichen Mehrwert geboten. Von unserer Seite aus gibt es eine volle Kaufempfehlung.
be quiet! Silent Base 802
- hochwertige Verarbeitung & tolle Produktanmutung
- sehr flexibler Chassis-Aufbau (invertierbar)
- werkzeuglose Montage an fast allen Bereichen
- mitgelieferte Wechselfront + Top-Cover
- drei vorinstallierte 140mm Lüfter
- 3-Stufige Lüftersteuerung + Controller-Hub
- Leistungsaufwertung dank neuer Front
- umfangreiche Kompatilität für Radiatoren
- starke Kühlleistung in diversen Bereichen
- I/O-Panel mit aktuellster Technik versehen (USB 3.2 Type-C)
- keine ODD-Schächte trotz ATX-Design
- bei Weiß leichte Farbabweichungen
