Ein Smartphone zum bezahlbaren Preis sucht so gut wie jeder - die neuesten Flaggschiffe streifen gerne mal die 1000 Euro Grenze an und kommen auch noch aus dem fernen China. Gigaset, als Firma im Telekommunikationsbereich ein fester Bestandteil, im Bereich der Smartphone-Fertigung im Vergleich aber noch eher ein kleines Licht. Das deutsche Unternehmen stellt nun seit knapp 3 Jahren auch Smartphones her, die Endmontage dazu wird dazu komplett in Deutschland durchgeführt, auch wenn dieses System auf Zulieferketten aus Fernost basiert. Das momentane Top-Modell vom Hersteller, das Gigaset GS290 kostet gerade einmal 199 Euro (Straßenpreis) - was taugt das Handy und welche Vorteile hat das "Made in Germany" - Produkt? Wir klären es im nachfolgenden Test (...)
In der Smartphone Welt versuchen die Android-basierten Hersteller meist mit einem speziellen Feature die Käufer zu locken. Zu den Anfangszeiten des Smartphones war dies sicherlich der Touchscreen, sowie hochauflösende Displays und Akkus mit großer Kapazität. Apple hingegen versuchte immer, alle Features gleichzeitig zu übersteigen und die Konnektivität mit den anderen Apfel-Produkten zu optimieren. Doch eines haben alle gemeinsam: Die Anschaffung der Geräte kosten bares Geld und mit etwas pech installiert sich die "Spider-App" auch nach kurzer Zeit. Original-Ersatzteile sind teuer und lässt man das Handy vom Fachmann reparieren, übersteigen die Reparatur-Kosten schnell mal den Restwert des Smartphones. Gigaset hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein bezahlbares, langlebiges Handy mit angemessener Leistung unter das Volk zu bringen und bietet dazu einen exklusiven Service an.
So will man am Produktionsstandort Bocholt und in weiteren deutschlandweiten Service-Centern, die Reparatur der eigenen Smartphones anbieten. Mit dem "Gigaset Serviceangebot" bietet man neben einem 3-monatigem Zufriedenheitsversprechen auch eine 3-monatige Bruch- und Wasserschaden-Reparatur an. Generell soll das Instandsetzen der Handys nur maximal eine Stunde in Anspruch nehmen. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Website des Herstellers: Das Gigaset Serviceangebot. Solch einen Service vermisst man bei den "Großen" leider sehr oft und Handy-Versicherungen stellen sich meist eher als Kostenfalle heraus. Nun gut, zurück zum GS290. In der kompostierbaren Verpackung versteckt sich nicht nur das Smartphone, sondern auch ein Ladegerät inkl. USB-C Kabel. Außerdem ist eine Silikon-Hülle und eine Anleitung / Garantiehinweise beigelegt. Um den SIM- bzw. Speicherkarten-Schlitten aus dem Telefon zu lösen, ist auch ein Pin enthalten.
Das Smartphone im Überblick | |
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Hersteller | Gigaset |
Bezeichnung | GS290 |
Betriebssystem | Pure Android 9.0 Pie |
Preis | ca. 199 EUR |
Hersteller-Homepage | www.Gigaset.de |
Wichtige Features | |
Prozessor | MediaTek Helio P23 Octa-Core MT6763 |
Display Auflösung | 2340 x 1080 Pixel |
Display Größe | 6,3‘/ 16 cm, 14,5 x 6,7 cm |
Akkugröße | 4700 mAh |
Kamera | 16MP AF Hauptkamera 2MP Frontkamera ArcSoft Optimierung |
Gerätespeicher | Intern: 64GB Extern: bis zu 256GB erweiterbar |
Gewicht | 190g |
Weitere Eigenschaften | 2 SIM-Karten |
Impressionen des Smartphones
Auf dem Touch-Display ist bereits eine hochwertige Schutzfolie aufgeklebt, die zwar zwei Luftblasen enthielt, aber diese konnten ohne großen Aufwand rausgedrückt werden. Im Vergleich zum kleinen Bruder, dem Gigaset GS110, dass wir bereits auch schon in der Hand halten konnten, macht sich bemerkbar, dass der Platz im Smartphone voll ausgenutzt wird. Das Backcover kann nicht abgenommen werden, der Akku ist somit fest verbaut. Um das Display schmiegt sich ein chrome-farbener Rand. Gut an der Unterseite zu erkennen ist der mittig platzierte USB-C Anschluss, sowie die 3.5mm Klinkenbuchse, das Loch für das Mikrofon und fünf, etwas größeren Löcher für den Lautsprecher.
Bei der Rückseite hat man sich nun auch etwas getraut, auch wenn es schwer zu erkennen ist: die weiße Oberfläche hat einen Glossy-Glanz-Effekt. Damit leuchtet es je nach Lichteinstrahlung in hell-bunten farben. Die Rückseite ist an den langen Seiten leicht abgerundet, dadurch hält es sich angenehmer in der Hand. Am link Rand befinden sich die Buttons zur Lautstärkeregulierung sowie der auch Power-Button. Schon anzusehen sind auch die beiden Dual-Kameras inklusive Blitzeinheit sowie der Finger-Abdruck-Sensor, der leicht vertieft im Chassis untergebracht ist.
Um das Größenverhältnis einmal zu demonstrieren ist das Gigaset GS290 hier zusammen mit einem Apple iPhone 5S (links) und einem Samsung Galaxy Note 9 (rechts) abgebildet. Somit ist der Testkandidat sogar recht groß. Kauft man das Handy direkt bei Gigaset, kann man sich den Namen oder einen Text auf der Rückseite eingravieren lassen. Bei der Display-Technik kommt ein IPS V-Notch Display zum Einsatz und wer hätte es anders erwartet: Die Kamera befindet sich ebenfalls mittig am oberen Rand, leicht eingelassen in das Display. Wie sich das Handy und vorallem das Android "Pure" im Alltag schlägt, zeigt die nächste Seite.
Im Vergleich: Apple iPhone 5S - Gigaset GS290 - Samsung Note 9 (v.L.n.R.)
Der Praxistest
Um herauszufinden, wie sich das Smartphone im Alltag schlägt, was es gut kann und was nicht so gut, haben wir einige Tests durchgeführt. Vorab: Etwas mehr Leistung hätten wir dann doch erwartet - aber seht besser selbst.
Los geht es mit einer Bilderstrecke zur Einrichtung des Handys. Hier findet sich der standardmäßige Dialog von Google wieder, wie er auch bei anderen Androiden zu finden ist. Neben der Einrichtung mehrere Fingerabdrücke (bis zu 5) kann auch das Gesicht genutzt werden, um das Handy zu entsperren. Somit stellt sich bereits an dieser Stelle heraus, dass die Frontkamera keine Schlechte ist. Auch in der Praxis konnte das Handy damit ruck zuck entsperrt werden - allerdings etwas langsamer als mit mit dem Fingerabdruck-Sensor. Bei dunklen Umgebungen dauerte dies allerdings schon mal etwas länger, was verständlich ist. Nach der Einrichtung war auch prompt eine Aktualisierung verfügbar und zu Ende des Testzeitraums direkt eine weitere.
Damit stellt Gigaset sicher, dass sich das Handy in Punkto Sicherheit und Stabilität auf einem guten Stand befindet. Abgesehen von dem Google-Einrichtungs-Assistenten ist das Pure Android 9.0 Pie - wie an seiner Bezeichnung bereits zu erraten - optisch eher einfach anzusehen. Wie von Samsung und Co bekannt, modifzieren die Hersteller die Oberfläche, Hintergründe und Klingeltöne gerne und installieren weitere Apps mit. Beim Gigaset GS290 bekommt man tatsächlich nur ein einfaches Android an die Hand gelegt, was vom Funktionsumfang dadurch aber nicht eingeschränkt ist. Ganz im Gegenteil: nicht nur der Handyspeicher wird weniger belastet, bspw. auch Updates und co werden sogar schneller installiert, da weniger Apps optimiert werden müssen. Als App-Entwickler bin ich mit Pure-Android Versionen sehr vertraut und kann diese nur positiv bewerten, auch wenn diese optisch nicht immer hübsch anzusehen sind. Dafür ist das Betriebssystem extrem stabil und flott.




















Das Gigset GS290 wird mit einem 64GB Speicher ausgeliefert, davon stehen ca. 55GB für Apps, Spiele und Medien zur Verfügung. Aufgerüstet werden kann der Speicher über eine Micro-SD Karte, jedoch sollte man bedenken, dass dann einer der SIM-Schächte dafür flöten geht. Bei der Wahl des Displays hat man eine Schippe draufgelegt. Im Vergleich zum GS110, hat dieser Testkandidat eine höhere Auflösung und ein farbenreicheres IPS Panel, welches den kapazitiven Touchscreen erleuchtet. Einzelne Pixel sind nur sehr schwer zur erkennen, die Pixeldichte liegt bei 409ppi und somit entsprechend hoch. Dadurch wirkt die Notch im oberen Bereich des Displays sauber integriert.
Um einen Eindruck über die Qualität der Kamera geben zu können, haben wir hier einige Bilder gemacht. Die beiden vertikal-geschossenen Bilder zeigen den Vergleich zwischen "normalem Foto" und "aktiviertem HDR". Das HDR-Bild wirkt heller, aber weniger kontrastreich. Auch das Foto mit der Flora wurde mit HDR "geschossen". Bei der Aufnahme von Videos schafft die Kamera gerade einmal 1080p, hier darf man also keine Weltwunder erwarten. Auch der Fokus braucht bei Videos einige Zeit sich einzustellen. Immerhin kann man mit dem Profi-Modus einige Einstellungen auch manuell vornehmen, auch wenn die Auswahl eher gering ist. Für Fotos im Alltag sicherlich positiv, möchte man jedoch gezielt Videos drehen und benötigt eine saubere Kamera, dann sollte man vielleicht doch ein anderes Smartphone wählen - oder etwa nicht?
Die Frontkamera hingegen erzielt nämlich sehr gute Ergebnisse beim Schießen von Selfies - was auch daran liegen wird, dass die Gesichtserkennung möglich ist. Hier sind besonders viele Details ersichtlich. Bei der Akku-Leistung kann das Smartphone ebenfalls positiv überzeugen. Mit 4700mAh hält es bei mäßiger Nutzung sogar mehrere Tage ohne Aufladung durch. Per Wireless-Charger oder mit dem beigelegten Aufladegerät kann dem Handy dann wieder Energie zugeführt werden. Der Akku lässt sich nicht herausnehmen, jedoch ist die Technik mittlerweile so weit, dass der Akku auch nach mehreren Jahren noch eine gute Leistung erbringen wird. Da das Handy Bluetooth 5.0 verwendet, welches unter anderem sehr wenig Energie benötigt, steht einem Tag mit bspw. viel kabelloser Musik nichts im Wege. Vermutlich machen die Kopfhörer eher schlapp als das Smartphone. Wie sich die Prozesseor-Leistung im Vergleich zu anderen Mobiltelefonen schlägt, verrät die nächste Seite.
Die Leistung im Vergleich
Wie zuvor beim GS110 haben wir auch beim GS290 den bewährten Slingshot Benchmark von 3DMark eingesetzt. In diesem werden einige Rechenaufgaben gelöst, die sowohl die reine Rechenleistung als auch die 3D-Leistung ermitteln.
Der Gesamtscore beträgt 731 Punkte und liegt damit eher weiter hinten als zunächst angenommen. Das Handy wurde während des Benchmarks auch nicht warm, der Temperaturfühler konnte gerade mal einen Unterschied von 2°C feststellen. Bei den FPS von 2-33 ist bereits anzumerken, dass die 3D-Leistung eher mager ist. Für Spiele wie Fortnite und andere größere Titel könnte es zu Problemen kommen - was sehr schade ist, denn das Display hat eine angenehmen Auflösung und Größe. Nachfolgend die Ergebnisse des Benchmarks in Diagramm-Form:





Gaming
Um herauszufinden, welche Spiele sich auf dem Handy gut spielen lassen, haben wir einfach mal die Charts des Google PlayStores abgearbeitet. Mit Call of Duty: Mobile haben wir angefangen. Das Spiel läuft insgesamt sehr flüssig, man könnte sogar meinen mit mehr als 60FPS. Jedoch ist die Detailstufe der Texturen und Effekte sehr niedrig. Das zeigt das Spiel auch unten links an, auch wenn es schwer zu erkennen ist: "GRAFIKAUFLÖSUNG GERING".
Bei Fortnite, einem Battle Royale im kinderfreundlichen Design, wird das Handy offiziell nicht unterstützt. Der Publisher hat eine Liste mit Endgeräten veröffentlicht, auf denen Fortnite offiziell gespielt werden kann. Trotz der Warnung der Fortnite-App haben wir eine Runde gestartet und stellten schnell fest, dass das Spiel sehr ruckelig läuft. Im Zeitalter der hochfrequenz-Monitore, die teilweise die 200Hz überschreiten, ist eine passende FPS Zahl ebenfalls ein muss. Bei dem Smartphones ist das noch eine andere Geschichte: Hier kann man sich ruhig mit etwas niedrigeren Frames zufrieden geben, aber bei einem Shooter macht es absolut keinen Spaß. Somit ist Fortnite auf dem Handy nicht angenehm spielbar.
Spiele mit 2D-Grafik, wie z. B. Tower-Defense Spiele wie Kingdom Rush oder Plants vs Zombies sind dank dem IPS Panel nicht nur sehr farbenfroh und schön anzusehen, sondern liefen auch reibungslos und mit genügend Frames. Der Akku konnte auch an dieser Stelle positiv überzeugen: Nach einer Stunde Spielspaß hat dieser gerade einmal 8% an Energie abgegeben.
Fazit
Stellt man im eigenen Freundeskreis die Frage, welches Smartphone das Beste für einen ist und welches man sich kaufen sollte, dann bekommt man mit Sicherheit eine Vielzahl an Antworten. Wichtig ist es zunächst einmal das eigene Budget festzulegen und zu entscheiden, welche Funktionen einem besonders wichtig sind. Bei Stabilität und Akku-Laufzeit bleibt vermutlich auf alle Ewigkeiten hin das Nokia 3310 der Renner, auch wenn es vermutlich noch nicht einmal mehr gebraucht irgendwo erhältlich ist - damit auch zurück zu diesem Test: Das Gigaset GS290 ist nämlich viel mehr als ein Smartphone Made in Germany.
Neben einer Gravur für die Rückseite für ca. 5 EUR bietet der Hersteller für die eigenen Smartphones einen Reparatur-Service in ganz Deutschland an. Man wirbt nicht nur mit einer schnellen Reparatur (innerhalb einer Stunde) sondern man verpasst jedem neuen Handy auch noch einen 3-monatigen Feuchtigkeits- und Bruch-Garantie. Damit erspart man sich schon beinahe eine Handyversicherung. Weitere Informationen dazu gibt es hier: Gigaset Serviceangebot. Der Konkurrenz aus Fern-Ost ist damit schonmal einen Schritt voraus.
Das gilt auch für den Lieferumfang des Smartphones: Neben den gängigen Bestandteilen wie Pin, Aufladekabel und Anleitung hat man eine Schutzhülle aus Latex beigelegt und eine Schutzfolie auf das Display aufgeklebt. Auch das kennen wir so ganz und garnicht. Damit macht Gigaset schon beinahe einen Quantensprung. Außerdem muss angemerkt werden, dass das Verpackungsmaterial recycelbar, wenn nicht sogar kompostierbar ist. Hier hat man sich tatsächlich einmal Gedanken gemacht!
Nun aber zur Ausstattung des Smartphones. Der eher leistungsschwache Prozessor stellt sich besonders beim Gaming der großen Titel wie Fortnite und Call of Duty: Mobile als Krücke heraus. Auch der 3D Benchmark "Sling Shot" bestätigt dies. Für einfache 2D Spiele, wie 1010, Plants vs Zombies und Tower-Defense-Spiele reicht er aber vollkommen aus. Auch im Alltag können problemlos mehrere Apps gleichzeitig geöffnet sein. Aber wenn man sich mal ehrlich diese Leistung hinterfragt, dass brauch es nicht wirklich als Indikator und wurde auch vom Hersteller so nicht konstruiert.
Beim Hören von Musik, gerade beim Wireless-Einsatz, kann Bluetooth 5.0 genutzt werden, welches besonders Akku-schonend arbeitet. Mit 4700mAh ist dieser mehr als ausreichend dimensoniert. Während des 4-wöchigen Testzeitraums haben wir das Handy nur einmal aufladen müssen - das spricht für einen echt sauber abgestimmte Auswahl von Komponenten. Als Betiebssystem liefert Gigaset das Handy mit einem unmodifiziertem Android 9 Pie als "Pure"-Version aus. Ca. alle 4 Monate erwartet den Nutzer ein etwas größeres Sicherheits- und Funktionsupdate.
Die gängigen Features sind auch an Board: USB-C, OTG, NFC und Bluetooth 5.0 sind nur ein Teil an Schnittstellen, die das GS290 beherrscht. Wireless Charging ist auch möglich und das mit bis zu 15W. Die Pixel-Dichte des IPS-Panels beträgt 409ppi, der kapazitive Touchscreen beträgt 6,3 Zoll in der Diagonale und ist damit sogar größer als das Samsung Galaxy S10 (6,1 Zoll).
Aber für wen eignet sich das Smartphone denn nun? Tja, das hängt von noch viel mehr Faktoren ab, als man eigentlich denkt. Verfügbar ist das Handy mit weißer oder grauer, "glossy" Rückseite und kostet UVP 269 EUR, ist im Handel aber bereits für angenehme 199 EUR verfügbar. Ich denke für Einsteiger in die Smarthone Welt - egal ob alt oder jung - lohnt es sich allein schon wegen des günstigen Preises. Das Smartphone kann sehr individuell eingesetzt werden und ist damit ein echter Allrounder. Einzig für Handheld-Gamer und Fotografen dürfte der Prozessor etwas zu schwach sein, sowie die Kamera nicht das non-plus-ultra. Insgesamt ist unser Eindruck durchweg positiv und die Vorteile gegenüber anderen Smartphones überwiegen definitiv die Nachteile. Daher möchten wir dem Gigaset GS290 nicht nur den Preis-Leistungs-Award, sondern auch den Silber-Award für ein tolles Produkt verleihen - weiter so Gigaset!
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