Mit WiFi 6E wurde zwar schon eine weitere Ausbaustufe vorgestellt, WLAN-AX dürfte sich aber dennoch nicht einer allzu großen Verbreitung erfreuen. Netgear hat den Standard beim Orbi WiFi 6 allerdings schon im letzten Jahr ins Mesh getragen. Das System setzt das schnellere WLAN bei allen drei Bändern ein, sodass nicht nur der Zugang schnell sein soll, sondern auch der Transfer zwischen den Knoten. Hier ein Praxis-Test.
Als Nachfolger von WiFi 5 bzw. WLAN 801.11ac, nutzt WiFi 6 bzw. WLAN 801.11ax nicht nur das 5 GHz Band, sondern funkt auch zusätzlich im 2,4 GHz Band. Beim Orbi WiFi 6 nutzt ein Band 2,4 GHz und die anderen beiden 5 GHz. Eins davon fungiert als dediziertes Backhaul, welches für den Datenaustausch zwischen den Mesh-Knoten zuständig ist. Alle Bänder arbeiten dabei als 4x4 Auslegung, weshalb mit 2,4 GHz bis zu 1200 MBit/s und mit 5 GHz bis zu 2400 MBit/s erreicht werden können. Im Gegensatz zum ASUS AX6100 RT-AX92U profitieren also auch die Endgeräte von WiFi 6.
Der Vorteil von WiFi 6 ist aber nicht nur die gesteigerte Geschwindigkeit, sondern auch eine höhere Kapazität sowie Effizienz. Über 100 Geräte soll das Orbi WiFi 6 anbinden können. Als Abdeckung gibt man 350 qm an. Endgeräte mit der neueren Technologie sollen durch den geringeren Energiebedarf eine längere Laufzeit an den Tag legen. Auf der folgenden Seite werden die Geräte im Detail vorgestellt.
Detailansicht
Typischerweise präsentiert sich auch das Obri WiFi 6 in Weiß. Im Gegensatz zu bspw. dem Orbi RBK23 hat der Hersteller allerdings einen silbernen Rahmen um die Seitenflächen konstruiert. Damit wirken die beiden Geräte weniger wie Vasen und etwas moderner. Bei der Größe nehmen sie sich ein Beispiel am Orbi RBK50, sie haben also einen recht kleinen Fußabdruck, sind aber schon nicht gerade unauffällig.
Grundsätzlich sind Router und Satellit optisch nicht voneinander zu unterscheiden. Erst beim Blick auf die Anschlüsse sieht man die Unterschiede. Der Router ist mit einem 2,5 GBit/s WAN- sowie vier Gbit/s LAN-Anschlüssen ausgestattet. Die WAN-Buchse unterstützt zusammen mit einem der LAN-Anschlüsse auch WAN Link Aggregation.
Der Satellit verzichtet auf den WAN-Anschluss, beherbergt aber ebenfalls vier GBit/s LAN-Anschlüsse. Wie bei den anderen Orbi Systemen gibt es auch hier eine Status-Leuchte. Sie strahlt indirekt unterhalb der weißen Fläche und sollte für den idealen Betrieb blau leuchten. Da die beiden Geräte durch ihr hohes Gewicht auffällig wurden, wurde der Router geöffnet, um die Ursache ausfindig zu machen.
Innen erwarten einen zwei massive Aluminium-Kühler, welche die Platine bzw. die Bauteile von beiden Seiten auf Temperatur hält. Dass es diese braucht, zeigt sich auch schon ohne Last im Netzwerk. Hier strahlen sie bereits Wärme ab. Verbaut ist im Router sowie Satellit ein Quad-Core-Prozessor mit 2,2 GHz. Zudem erkennt man im Inneren auch gut den Aufbau der Geräte mit den acht Antennen.
Wie erwähnt arbeitet das System mit 4x4 für jedes Band, also insgesamt mit 12 Streams. Der Netgear Nighthawk AX6000 AX12 (RAX120) besitzt ebenfalls 12 Streams, nutzt diese allerdings nur für Endgeräte, statt ein Backhaul für ein Mesh abzustellen. Bis auf die Form, ist der Router aber am ehesten mit dem Orbi WiFi 6 Router zu vergleichen.
Orbi App
Wer sich einmal mit einem Orbi Netzwerk auseinandergesetzt hat, für den ist die folgende Oberfläche der Orbi App nicht unbekannt. An sich hat sich hier im Vergleich zu bspw. dem RBK50 nichts verändert. Man kann das gesamte System mit der App einrichten und die einfachen Einstellungen hier direkt vornehmen. Für den normalen Nutzer ist dafür bereits alles Wichtige vorhanden, sodass man sich den Weg über den Browser in das OS des Systems sparen kann. Viele Einstellungsmöglichkeiten per Se gibt es zwar nicht, aber das System ist auch schon im Auslieferungszustand so konfiguriert, dass man vermutlich nicht mehr viel ändern braucht. Man kann schon während des Einrichtens die SSID sowie das Passwort ändern und später dann auch das Gäste-Netzwerk einrichten. Eine Separierung der Bänder ist allerdings in beiden Zugriffsebenen nicht möglich. Die WLAN-Analyse ist dafür wieder integriert, was bei der Einrichtung eines Mesh auch schon Sinn ergibt. Man kann die Aufstellung des bzw. der Satelliten somit nämlich optimieren.













Benchmarks
Getestet wurde in einem praxisnahen Szenario - einem älteren Einfamilienhaus mit ~120m2. Um einen Vergleich zu erhalten, wurde mit einer FritzBox 7360 die Ausgangslage abgesteckt. Zugegeben ein betagtes Modell, aber sicherlich immer noch häufig anzutreffen. Das Haus gliedert sich in zwei Etagen, welche wie folgt aufgeteilt sind. Die Wände sind alle massiv gebaut ohne merkbare Verwendung von Trockenbau.
links Erdgeschoss, rechts Dachgeschoss
Der Router wird immer an derselben Stelle aufgestellt. Diese befindet sich im Wohnbereich. Auf dem Bild oben unten links in der Ecke. Von dort ist es natürlich schwieriger das gesamte Haus abzudecken, als von einer zentralen Position aus. Allerdings lässt der Telefon-Anschluss keine andere Aufstellung zu. Auch der Nighthawk XR500 und der Orbi WiFi 6 Router wurden dort platziert. Im Mesh-Test wurde dann der Satellit direkt über dem Router, also im Ankleidezimmer aufgestellt. Gesucht wurde nicht die maximale Übertragungsrate der Geräte, sondern auch hier eine gängige Situation. Daher wurde mit einem Smartphone, konkret einem Xaomi Redmi Note 9 Pro, als Client die Bandbreite gemessen. Dies wurde gewählt, da es eine ähnliche Antenne wie manche Smart TVs oder bspw. ein FireTV Stick aufweisen sollte. Der Server wurde mittels Notebook, welches per Kabel am Router hing, realisiert. Gemessen wurde dann mit dem Tool iPerf3. Gemessen wurde in Mbits und anschließend in MB/s umgerechnet. Im Gegensatz zum Nighthawk Mesh gibt es nur eine Messreihe, da man die Bänder nicht mit einzelnen SSIDs separieren kann. Somit wählt sich das Smartphone auch immer automatisch das bessere Band. Anders wird es im Alltag aber sicherlich auch nicht umgesetzt.
FritzBox 7360 | Nighthawk Mesh | Orbi WiFi 6 | ||
Band | 2,4 GHz | 2,4 GHz | 5 GHz | 2,4/5 GHz |
Erdgeschoss | ||||
Wohnzimmer | 9,5 | 6,8 | 46,8 | 81,3 |
Esszimmer | 8,2 | 11,9 | 45,8 | 82,9 |
Büro | 4,6 | 5,9 | 46,6 | 79,8 |
Küche | 6,7 | 6,3 | 47 | 77,9 |
Wirtschaftsraum | 3,4 | 6,9 | 16,9 | 15,9 |
Dachgeschoss | ||||
Schlafzimmer | 1,5 | 5,6 | 20,9 | 70,5 |
Gästezimmer | 1,9 | 6 | 29,4 | 62,3 |
Ankleidezimmer | 4 | 6,5 | 19,4 | 80,1 |
Badezimmer | 2 | 5,7 | 18,2 | 59,3 |
Gemessen wurde in Mbits und anschließend in MB/s umgerechnet
Ein Vergleich mit der FritzBox wird hier noch einmal etwas unfairer, als schon beim Nighthawk Mesh. Denn die Ausgangslage wurde nur mit dem 2,4 GHz Band abgesteckt, weil einfach nicht mehr geboten wird. Da kann das XRM570 und vor allem das Orbi WiFi 6 deutlich mehr bieten. Das zeigt sich bei den Messungen auch deutlich. Das 5 GHz Band des Nighthawk-Systems sorgte schon für einen deutlichen Anstieg des Durchsatzes. Mit dem Orbi WiFi 6 werden die Werte zum Teil noch einmal verdoppelt. Von der ursprünglichen Ausgangslage konnte so die Übertragungsrate um den Faktor 10 erhöht werden. Im Erdgeschoss wird dabei in fast allen Räumen das Maximum des eingesetzten Smartphones erreicht. Zumindest sind die Werte bei ~80 MB/s gedeckelt. Nur der Wirtschaftsraum fällt hier wieder etwas heraus. Im Ankleidezimmer im Obergeschoss wird der Wert ebenfalls noch einmal bestätigt. In den anderen Räumen kann die Geschwindigkeit ebenfalls nochmal deutlich zulegen. Woran das nun im Einzelnen liegt, lässt sich schlecht bestimmen. Zum einen wird aber das dedizierte Backhaul seinen Teil dazu beitragen. Aber auch Beamforming sowie die leistungsstarken Antennen und vielen Streams dürften für das Plus an Leistung sorgen. Es bleibt dennoch erstaunlich, wie sehr das XRM570 abgehängt werden kann.
In der Orbi App wurde ebenfalls angezeigt, dass man sich im Limit des WLAN-Adapters des Smartphones bewegt. In allen gemessenen Räumen soll laut der App ein Signal von 100 % und eine Geschwindigkeit von 866 MBit/s anliegen. Wenn das mal keine Ansage ist. Die versprochene Abdeckung von 350 m² erscheint damit auch nicht wirklich unrealistisch, wobei die örtlichen Gegebenheiten schon einen entscheidenden Unterschied machen können.
In einem kurzen Test wurde zudem auch noch die maximale Geschwindigkeit zwischen den beiden Knoten versucht zu ermitteln. Dazu wurde am Satelliten ebenfalls ein Notebook per Kabel angeschlossen. Beim Herumprobieren hat sich dann gezeigt, dass man mit größerem Abstand zwischen Router und Satellit bessere Ergebnisse erreichen konnte, als wenn sie sich in unmittelbarer Nähe befinden. An den Einstellungen in iPerf wurde grundlegend nicht viel geändert, außer, dass die Anzahl der Streams auf acht erhöht wurde. Letztendlich konnten die 1G Ethernet-Anschlüsse als Flaschenhals ausgemacht werden. Denn erreicht wurden Werte von über 980 MBit/s bzw. von ~120 MB/s.
Fazit
Man kann es nicht anders sagen, der Preis von ~750 € für ein WLAN-System schreckt schon ab und lässt sich sicherlich für viele interessierte schlecht rechtfertigen. Ich persönlich will das Orbi WiFi 6 Mesh genau in diesem Punkt auch nicht gut reden. Die Investition ist schon echt krass und wird meiner Meinung nach auch nicht durch die Leistung ausgeglichen. Ja, der Hersteller hat mit dem System eines der ersten mit WiFi 6 geliefert und damit sozusagen Pionierarbeit geleistet. Mittlerweile gibt es aber immer mehr Sets am Markt und diese zum Teil auch günstiger. Abgesehen vom Preis ist das Orbi WiFi 6 allerdings echt eine Wucht. Die Abdeckung ist hoch, die WLAN-Leistung stark und die Einrichtung echt simpel. Dabei dürfte sich der Vorteil von WiFi 6 auch immer weiter ausbauen. Zum Beispiel sind die neuen Apple iPhones und iPads bereits damit ausgerüstet und auch bei den Mainboards und Notebooks wird der WLAN-AX zum Standard. Doch selbst wenn das Endgerät den Standard noch nicht unterstützt, kann das System die Muskeln spielen lassen. Das Nighthawk Mesh konnte im Testszenario locker in die Tasche stecken. Die Übertragungsgeschwidigkeiten sind hier meist vom WLAN-Adapter des Empfängers abhängig, als vom Mesh selbst. Einen Flaschenhals bietet es allerdings schon. Denn die Ethernet-Anschlüsse liefern nur 1Gbit. Es ist wirklich sehr schade, dass man nicht zumindest am Router einen zusätzlichen 2,5G Anschluss für z. B. ein NAS bereitsstellt. Generell wird aber auch der LAN-Standard so langsam durch 2,5G abgelöst, sodass man von diesen Anschlüssen nicht genug haben kann.
Um nochmal zum Preis zurückzukommen. Der Hersteller bietet mit dem Orbi WiFi 6 RBK752 mittlerweile ein weiteres Mesh mit WiFi 6 und dediziertem Backhaul an, welches Abstriche beim Fronthaul macht, dafür aber auch "nur" 400 € kostet. Ich kann mir vorstellen, dass das kleinere System in vielen Haushalten schon ausreichend sein könnte und das RBK852 sozusagen nur für Enthusiasten gedacht ist.
Orbi WiFi 6 (RBK852)
Teures WLAN Mesh mit hoher Leistung und Abdeckung - 19.04.2021