MIY App
Die MIY App wurde bereits beim Test beyerdynamic Amiron Wireless ausführlich vorgestellt. Grundsätzlich soll sie für eine individuelle Klanganpassung an das eigene Gehör sorgen. Das sehr einfach als Schätzung über das Alter des Nutzers erfolgt oder ausführlicher mit einer Messung. Hierbei werden beide Ohren nacheinander mit verschiedenen Tönen bespielt, währenddessen man angeben muss, wann und wie lange man diese wahrnimmt. Mittels eines Algorithmus wird dann die Hörfunktion berechnet bzw. ermittelt und ein Profil angelegt. Die Intensität des Profils lässt sich dann jeder Zeit verändern. Weiterhin gibt die App Auskunft darüber wie viel man die Kopfhörer am Tag bereits genutzt hat und spricht eine Empfehlung aus. Auch die Bedienung wird in voller Länge dargestellt, sollte man sich unterwegs auf einmal nicht mehr daran erinnern können. Einen Equalizer findet man hingegen nicht vor. Der Hersteller ist sich also ziemlich sicher, dass der Kopfhörer bereits in der Grundabstimmung sehr gut ist bzw. die Anpassung den Rest erledigt.









Praxis & Klangcheck
Ehrlich gesagt muss man On-Ear-Kopfhörer mögen. Ist das nicht der Fall, ist es nur schwer warm mit diesen zu werden, wie in meinem Fall. Für mich persönlich gilt die Devise entweder ein In- oder Over-Ear-Kopfhörer oder gar nichts. Daher mein Tipp, man sollte sich erstmal generell mit diesem Typ Kopfhörer vertraut machen und herausfinden ob man kein Problem mit einem On-Ear hat. Denn als dieser hinterlässt der Aventho Wireless beim Tragekomfort einen guten Eindruck. Insgesamt ist er etwas straffer als bspw. der Teufel Airy abgestimmt, was aber dem Halt zugute kommt. Zudem sorgt der gute Anpressdruck dafür, dass die weichen Polster die Ohren besser abdichten. Von Oben spürt man eigentlich gar keinen Druck, was vermutlich auch am relativ geringen Gewicht von 238 Gramm liegt. Wie gesagt, es fühlt sich so an, als würden sich die Kopfhörer eigentlich rein über die Seiten abstützen. Das ist schon spürbar und sorgt in meinem Fall nach ein, zwei Stunden auch dafür, dass ich dem Hörgenuss eine Pause gönnen muss. Damit scheiden sie, rein subjektiv, auch als Heim-Kopfhörer aus. Als Vorteil hat sich, in meinem zwei Wochen Pendel-Einsatz, die Größe herausgestellt. Kopfhörer wie bspw. die Amiron Wireless können schon als Sperrgut ausgemacht werden, wenn man nur eine kleine Tasche dabei hat. Der Aventho Wireless lässt sich hingegen im Sack platzsparend verstauen. Leider ist mir dabei aufgefallen, dass der Kopfhörer dazu neigt sich selbst zu zerkratzen. Das wird wohl auch der Grund sein, weshalb der Hersteller bei Auslieferung einen Schaumstoffkeil zwischen den Gehäusen platziert.
Die Bedienung des Kopfhörers ist eigentlich recht intuitiv. Wer ein Smartphone nutzen kann, sollte auch mit den Wischgesten von beyerdynamic zurechtkommen. Hilfe bietet hier ja auch die App zu jedem Zeitpunkt. Dass die berührungsempfindliche Fläche kleiner als beim Amiron ist, hat sich dabei nicht negativ abgezeichnet. Auch überzeugt die Akku-Performance mit ihren gerundeten 25h Durchhaltevermögen. Sollte der Akku dann doch einmal leer sein, kann alternativ via Klinke weitergehört werden und dank der Impedanz von nur 32 Ohm, gelingt dies auch an gängigen mobilen Ausgabegeräten. Voll im Saft steht der Akku wieder nach etwas über zwei Stunden.
Das Gesamtbild der Aventho Wireless wird nochmal deutlich in Richtung positiv verschoben, sobald man sie einschaltet bzw. mit angemessenem Quell-Material versorgt. Um hier adäquat zu testen, wurde vom Sony Walkman NW-ZX2 via Kabel und vom Huawei P20 Lite via aptX HD FLAC-Material zugespielt. "Schlechtes" Ausgangsmaterial verzeiht der Kopfhörer nämlich nicht bzw. ist es wirklich erschreckend deutlich, wie Unterschiede zwischen hochauflösend und dem Streaming-Kompromiss mit z. B. Spotify sich abzeichnen. Alleine aus dem theoretischen Frequenzbereich von 10 Hz bis 40 kHz des Aventho Wireless lässt sich ablesen, dass er förmlich nach Details giert. Und in der Tat arbeitet er diese feinfühlig heraus, übertreibt es damit aber auch nicht. Gut hörbar ist das bspw. bei Someone You Love von Lewis Capaldi. Während sich prägnante Stimme gefühlvoll in den Vordergrund schiebt, zeichnet sich im Hintergrund das Klavier ebenfalls sehr sauber heraus. Sollte eine Note fehlplatziert sein, dann liegt das sicherlich nicht am Aventho Wireless.
Gute Laune wird in Party On Fifth Ave von Mac Miller nicht nur durch den Text des Rappers verstreut, sondern auch, weil der Kopfhörer auch hier einen grandiosen Job abliefert. Die Stimme des Amerikaners hebt sich deutlich von der Melodie ab, wobei man durchaus das Gefühl hat, dass man den zu früh verstorbenen Künstler noch einmal live erlebt. Der Kopfhörer vermittelt insgesamt einfach eine sehr realistische Kulisse.
Bass mit einem Over-ear-Kopfhörer? Für den Aventho ebenfalls kein Problem. Bei Take The Power Back von Rage Against the Machine legen sich die Tesla-Treiber richtig ins Zeug, damit die anfänglichen Bässe schön knackig wiedergegeben werden. An Exaktheit und Timing wird auch dann nicht eingebüßt, als die weiteren Instrumente hinzustoßen und de la Rocha den Track mit Text füllt. Man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, als würde ein Detail nicht so gesetzt werden, wie er sollte bzw. dass irgendwas ausgelassen werden würde. Und das ist in dem "wilden Durcheinander" im Crossover-Genre, durchaus erstaunlich.