Die beyerdynamic Custom-Serie war bislang nur als reiner Kopfhörer erhältlich. In der Leistung konnte das beyerdynamic Custom One Pro uns aber bereits überzeugen. Die Neuauflage der Serie rückt nun Gaming in den Fokus, kommt also direkt mit abnehmbaren Mikrofon daher. Die weiteren Features der Serie bleiben dem beyerdynamic Custom Game dabei erhalten.
Unterhalb des High-End Headsets beyerdynamics MMX 300, hat der Hersteller das beyerdynamics Custom Game platziert. Auch dieses soll mit einem klasse Sound glänzen und weitere Gaming-Features beherbergen. Bei der Auslegung hat man sich dabei an eher schwächere Kopfhörerverstärker orientiert. Das Custom Game ist nämlich nur mit 16 Ohm spezifiziert. Eine Verwandtschaft ist optisch dabei schon zu erkennen, zumindest gleichen sich ein Teil der Design-Elemente, was bei beyerdynamics ja nicht unüblich ist. Ausgangslage dürfte insgesamt auch eher das beyerdynamics Custom One Pro oder Pro Plus sein.
Um der jüngeren Generation zu gefallen, kann man das Headset vom eher tristen Look durch einfaches Anbringen von Covern etwas aufpimpen. Den aggressiven Look eines Sennheiser GSP 550 oder Teufel Cage erhält es damit zwar nicht, aber die Idee ist dennoch cool. Ob die anderen Features der Zielrichtung gerecht werden, stand ebenfalls mit bei uns auf der Checkliste. Ebenso wie eine Enschätzung des Klangs und des Komforts. Zunächst folgt aber ersteinmal ein Blick in den Karton.
Lieferumfang
Dass das beyerdynamics Custom Game vermutlich eine größere Gruppe erreichen soll, zeigt auch schon die Aufmachung. Mit dem Sichtfenster ist es auch ladentauglich. Statt in einer Transporttasche wie beim MMX 300, hängt das Headsert wie auf einem Ständer. In dessen Inneren findet man das ansteckbare Mikrofon mit Klinkekabel für Geräte mit Kombo-Anschluss, eine Verlängerung mit Y-Kabel für den Betrieb am PC sowie vier Wechselcover. Der Imbusschlüssel ist an einer Lasche des Kartons angebracht und kann leicht übersehen werden.
Das Headset im Überblick | |
---|---|
Typ | Stereo Gaming-Headset |
Bezeichnung | beyerdynamic Custom Game |
Preis | ~ 200 € |
Homepage | www.beyerdynamic.de |
Frequenzrate | 5 Hz bis 35 kHz |
Treibertyp | 40 mm |
Impedanz | 16 Ohm |
Kernschalldruckpegel | 96 dB |
Verbindung | 1x 3,5mm Klinke (1,6m) 2x 3,5mm Klinke Verlängerung (0,8m) 1x 6,35mm Adapter |
Gewicht | 282 g |
Besonderheiten |
|
Das Äußere - Design und Features
Im Auslieferungszustand ist das Gaming Headset relativ zurückhaltend. Wie auch das MMX 300, ist das beyerdynamics Custom Game eigentlich fast ausnahmslos Schwarz. Lediglich der Schriftzug der Modellbezeichnung tanzt aus der Reihe. Das soll aber nicht immer so sein, wie sich im weiteren Verlauf zeigen wird.
Mit dem bereits genannten höherpreisigen Bruder hat es ein paar konstruktionstechnische Gemeinsamkeiten. So kommt auch beim Custom Game ein Federstahl-Kopfbügel zum Einsatz, welcher mit weichem Polster und Kunstleder bezogen ist. Dank Klettverschluss lässt sich das Polster leicht reinigen oder auch komplett austauschen. Die Y-Träger und der Verstellmechanismus sind identisch ausgeführt und daher von selber Stärke bzw. Robustheit. Gleiches gilt für die Drehgelenke.
Das war es allerdings mit den Gemeinsamkeiten. Die Bauweise ist ansonsten aber auch nicht neu, sieht man sich bspw. das beyerdynamic Custom One Pro an. Statt komplett kreisrund, sind die Gehäuse seitlich abgeflacht. An den Seitenflächen sind zudem geschraubte Rahmen angebracht, die einen leicht mechanischen Look verursachen. Dass es keine Fake-Schrauben sind oder nur Zierelemete zeigt sich weiter unten.
In beiden Seiten ist je ein Sound Slider integriert, welchen das Bassreflex-System der geschlossenen Kopfhörer anpassen soll. Die Rede ist von vier Klangprofilen, durch welche man sich der Umgebung anpassen kann. Geschlossen ist der Bass geringer, aber die Abschrimung höher, hingegen soll eine Öffnung mehr Bass erzeugen, aber auch die Geräuschunterdrückung verringern. Im Gegensatz zum MMX 300 kommt Kunstleder als Kontaktmaterial zum Einsatz, welches sich ähnlich dem des Kopfbandes anfühlt. Die beiden 40mm Neodym Treiber sollebn hier ebenfalls ein Spektrum von 5 Hz bis 35 kHz abdecken können, bei einem Kernschalldruck von bis zu 96 dB. Die Impedanzt liegt dabei nur bei 16 Ohm.
Das Mikrofon wird zusammen mit dem Kabel angesteckt. Gedreht werden kann es dann nicht, was durch eine kleine Nut zustande kommt. Der Schwanenhals sowie auch das Kondensat-Mikrofon sind scheinbar wieder identisch zu dem des MMX 300, zumindest wenn es nach den Leistungsangaben geht. Das Kabel ist am Ende mit einem mehrpoligen 3,5mm Klinkestecker versehen. Unterbrochen wird es durch die neue Kabelfernbedienung, welches neben der Lautstärkeregelung auch das Mikrofon muten kann. Der Taster soll Medienfunktionen oder temporäres muten ermöglichen. Mittels der beiligenden Y-Verlängerung ist auch ein Betrieb am PC möglich. Der 6,35mm Adapter lässt es auch am Verstärker werken.
Nun aber zum Special-Feature der Custom-Serie. Eine optische Anpassung kann man durch die Seitenflächen vornehmen. Dazu schraubt man den Rahmen zunächst ab und legt anschließend einfach ein anderes Cover ein. Da das bereits montierte auch geflippt werden kann und zwei weitere Paare beiligen, stehen insgesamt bereits sechs Looks zur Auswahl. Weitere Cover kann man im beyerdynamic Shop erwerben. Die Auswahl ist dabei nicht nur auf Pappe beschränkt, auch Kunstleder steht zur Auswahl. Die Preise bwegen sich von 5 bis 10€.
Sitz
Was den Sitz angeht, könnte man beim beyerdynamic Custom Game meinen, dass es auch Copy & Paste des entsprechenden Abschnitts des MMX 300 gereicht hätte. Denn die Konstruktion ist schon sehr ähnlich. Der entscheidende Unterschied ist bei den Polstern anzutreffen. Sind sie beim MMX 300 fest und mit Velour bezogen, zeigt sich das Custom Game schon deutlich anders. Die Polster sind hier recht weich und lassen sich leicht zusammendrücken. Dies zeigt sich am Kopf in der Form, dass die Gehäuse näher an den Kopf rücken. Mithinein spielt auch der Bezug. Das Kunstleder ist ebenfalls sehr geschmeidig und fügt sich nahtlos an die Haut. Im Vergleich zum Stoffbezug ist die passive Abschirmung subjektiv höher und es wird spürbar wärmer am Kopf. In der Summe ist das Custom Game jedoch auch als sehr bequem zu bezeichnen.
Klangcheck
Da "Game" bereits in der Bezeichnung steckt, soll dies natürlich auch das Hauptaugenmerk des Custom Game sein. Die Ausgangsbasis ist eine geschlossene Konstruktion, welche ebenfalls auf 40mm Neodym Treiber mit einem Spektrum von 5 Hz bis 35 kHz. Die Impedanz beträgt allerdings nur 18 Ohm, wodurch auch ein Betrieb an schwächeren Zuspielern keine Probleme bereitet. Die Custom-Serie hat jedoch ein Feature, was eine allgemeine Einschätzung des Klangs etwas schwer macht. Der Sound Slider an beiden Seiten vergrößert oder verkleinert beim verschieben die Bassreflex-Öffnung, wodurch vier verschiedene Settings gewählt werden können. Was zunächst etwas nach Voodoo klingt, ist in der Tat aber deutlich spür- bzw. hörbar. Öffnet man die Regler vollständig, so erhält man den stärksten Bass.
Die passive Geräuschunterdrückung ist allerdings geringer. Dieser Modus ist am ehesten für Bassbetonte Musik oder vielleicht auch aktiongeladene Filme geeignet. Die Einstellung könnte man am ehesten mit der des Teufel Cage vergleichen, wobei das Custom Game teilweise noch wesentlich deutlicher aufträgt. Hört man bspw. Gregory Porter, so rutsch seine tiefe Stimme in den Bassbereich, was die Musik stark verfälscht. Eine Stufe weiter wird der Bass schon stark entschärft, verliert aber nicht seine Kraft. Diese Stufe wäre für ein Allrounder wohl am ehesten geeignet. Man ist hier dann eher bei der Auslegung des MMX 300. Noch eine Stufe weiter verliert der Bass noch weiter an Prägnanz, um bei der letzten Stufe dann beinahe völlig zu verschwinden. Diese beiden Stufen sind am ehesten für Shooter geeignet, wo der Sound lediglich der Ortung gilt und nicht die Spielimmersion bekräftigen soll.
In der Summe ist der Klang des Custom Game auch als sehr gut zu bezeichnen. Ganz so frei wie das MMX 300 spielt es aber nicht auf. Im Vergleich zum Sennheiser GSP 550 merkt man die Unterschiede in der Dynamik ebenfalls. Durch die mitgelieferte Kabel-Stecker-Konfiguration merkt man aber schnell auch welche Ausrichtung das Headest hat. Mit dem mehrpoligen Klinke-Stecker fühlt es sich an Konsolen recht wohl. Denn man muss auch hier wieder sagen, dass es zwar keinen leistungsstarken Kopfhörerverstärker braucht, aber schon einen D/A Wandler mit vernünftiger Qualität.
Mikrofontest und Soundfiles
Zum Mikrofon macht der Hersteller nicht so viele Angaben wie beim MMX 300. Die jedoch angegeben werden, sind identisch mit diesem. Es handelt sich ebenfalls um ein Kondensatmikrofon (Back-Elektret) mit Nieren Richtcharakteristik. Der Übertragungsbereich soll 30 Hz bis 18 kHz betragen.
Die Sprachaufnahme wurde mit dem Standard Windows Audiorecorder durchgeführt und nicht weiter bearbeitet. Es fand lediglich eine Umwandlung zur MP3-Datei statt. Die Sprachverständlichkeit ist insgesamt sehr gut, allerdings ist ein Hintergrundrauschen schon zu vernehmen, was beim MMX 300 nicht zu hören war. Selbst das Lioncast LX30, konnte eine klarere Aufnahme erzeugen, wenn auch etwas leiser.
Demo Sprachfile |
beyerdynamic Custom Game |
Damit ihr einen besseren Vergleich zu anderen Headset-Mikrofonen habt könnt ihr in der folgenden Liste die bisher getesteten Geräte noch einmal hören.
Demo Sprachfiles in der Übersicht |
Fazit
Das beyerdynamic Custom Game wird seinem Namen gleich auf verschiedenen Ebenen gerecht. Zum einen ist natürlich gemeint, dass man die Optik an den Seiten aufwerten bzw. individualisieren kann, was man als sehr gelungen ansehen kann. Man schafft so nämlich die Grätsche zwischen coolem Gaming Headset und dezentem Auftritt. Insgesamt sind die Anleihen der Studiokopfhörer des Herstellers nämlich nicht zu ignorieren. Dies zeichnet sich insgesamt aber sehr positiv ab, denn der Komfort, die Verarbeitung und Materialwahl sind auch beim Custom Game auf einem sehr hohen Niveau. Sucht man hier ein Haar in der Suppe, könnte man anmerken, dass einem etwas warm unter den Polstern wird.
Die zweite Custom-Eigenschaft betrifft den Einsatz. Da man das Mikrofon abnehmen kann, kann man das Headset auch als reinen Kopfhörer nutzen, passendes Kabel vorausgesetzt (Spiralkabel). Die geringe Impedanz sowie die enthalten Kabel bzw. Anschlußstecker runden die vielfältige Einsatzmöglichkeit ab. Denn auch schwächere Zuspieler kommen auf ihre Kosten.
Dies betrifft aber nur die benötigte Energie. Klanglich sollte es die Klangquelle nämlich schon drauf haben. Soundtechnisch hat es das Custom Game einiges zu bieten. Durch die Sound Slider ist die dritte Custom-Funktion gegeben die sich hier bemerkbar macht. Die Verstellung der Bassreflexöffnung zieht tatsächlich deutliche Klangveränderungen nach sich, wodurch man Anpassungen fürs Gamen aber auch Musik direkt am Gerät vornehmen kann.
In der Summe erhält man man mit dem beyerdynamic Custom Game ein sehr erwachsenes Gaming Headset, welches aber auch ein paar "Spielerein" bereithält. Durch das abnehmbare Mikrofon ist es vielleicht sogar der noch bessere Allrounder im Vergleich zum beyerdynamic MMX 300. Bedenken sollte man aber, dass die Zuspielung nicht zu schlecht sein sollte. Mit schlechter Soundkarte ist man evtl. mit dem Sennheiser GSP 550 besser bedient, welches per USB immer sein Potential voll ausschöpft, aber durch die offene Bauweise auch anders klingt (nicht schlechter).
beyerdynamic Custom Game | ||
Audio Testberichte | Hersteller-Homepage | Bei Amazon kaufen |
Pro | Contra | ![]() |
+ sauberer Klang | - ... mit leichtem Rauschen |
Weitere interessante Audio-Artikel
▪ Test: MSI GH70 Gaming Headset
▪ Test: Corsair Void Pro Headsets (v2)
▪ Test: MSI DS502 Gaming Headset
▪ Test: Roccat KAVE XTD 5.1 analog
▪ Test: Kingston HyperX Cloud II