Mit der Einführung der neuen Netzteile MPG A1250GS und MPG A1000GS geht MSI einen wegweisenden, aber auch kontroversen Schritt: Der Hersteller reduziert die Anzahl klassischer 8-Pin-PCIe-Stromanschlüsse drastisch und setzt stattdessen vorrangig auf den modernen 12V-2x6-Stecker. Dies hat weitreichende Folgen, insbesondere für Nutzer von AMD-Grafikkarten.
Die Entwicklung folgt dem Trend, den Nvidia mit der Umstellung auf 12V-2x6 für seine GeForce-Grafikkarten eingeläutet hat. Während andere Netzteilhersteller bisher beide Steckertypen parallel angeboten haben, trennt MSI diesen Spagat nun auf und liefert standardmäßig nur noch einen einzelnen 6+2-Pin-Anschluss zusätzlich zu den beiden 12V-2x6-Anschlüssen. Damit entfällt die breite Kompatibilität für Grafikkarten mit mehreren herkömmlichen 8-Pin-Anschlüssen.
Besonders betroffen von dieser Designentscheidung sind Nutzer von AMDs aktueller RX-9000-Serie. Die meisten High-End-Modelle von AMD, darunter die RX 9090 XT, RX 9080 XT und RX 9070 XT, nutzen standardmäßig zwei bis drei 8-Pin-Anschlüsse. Da MSI für diese keine nativen Ports mehr bereitstellt, bleibt als einzige Lösung der Einsatz eines Adapters von 8-Pin auf 16-Pin – ein Zubehör, das MSI allerdings nicht beilegt.
Lediglich einige wenige Radeon-Modelle setzen bereits auf den neuen 12V-2x6-Standard. Dazu gehören die Asrock Radeon RX 9070 XT Taichi sowie die Sapphire Nitro+ Radeon RX 9070 XT und RX 9070. Alle anderen Modelle benötigen zwingend Adapter oder alternative Netzteiloptionen. Die neue Netzteilstrategie von MSI schränkt nicht nur die Kompatibilität ein, sondern beeinflusst auch die maximal mögliche Leistungsaufnahme von GPUs. Durch den einzigen verbliebenen nativen 8-Pin-Anschluss bleibt die spezifikationskonforme Stromversorgung für Grafikkarten ohne 12V-2x6 auf etwa 225 Watt beschränkt. Ein zusätzliches 8-Pin-Kabel wäre theoretisch anschließbar, allerdings nur auf Kosten eines der beiden EPS-Kabel für den Prozessor, was für viele Systeme keine praktikable Lösung darstellt. Nachdem das Unternehmen bereits verkündet hatte, keine RDNA4-Graffikarten zu produzieren, ist diese Hiobsbotschaft ein weiterer Tiefschlag für alle Radeon-Anhänger.
MSI zeigt mit dieser Entscheidung klar, wohin der Fokus geht: Das Unternehmen priorisiert Nvidia-Grafikkarten, insbesondere die hochleistungsfähigen RTX-Modelle, die bereits weitgehend auf den neuen 12V-2x6-Standard setzen. Dies zeigt sich auch in der GPU-Produktpalette von MSI – für AMDs RX-9000-Serie bringt der Hersteller aktuell kein einziges eigenes Modell auf den Markt.
Die neuen MSI-Netzteile MPG A1250GS und MPG A1000GS sind zweifellos zukunftsorientiert und optimal für aktuelle und kommende Nvidia-Grafikkarten geeignet. Für AMD-Nutzer hingegen stellt die stark reduzierte Anzahl klassischer PCIe-Anschlüsse eine deutliche Einschränkung dar. Wer auf eine Radeon-GPU setzt, muss entweder mit Adaptern arbeiten oder sich nach alternativen Netzteilen mit einer breiteren Anschlussvielfalt umsehen.
Auch interessant:
- PCI Express 7.0: Ein großer Schritt zu höheren Datenraten
- AMD Radeon RX 9070: Ungleiche Verteilung an GPU-Board-Partner